Mobbing in meiner Kindheit

Triggerwarnung:
Dieser Text enthält unter anderem Bilder und Beschreibungen von sexueller Belästigung und Mobbing.

In den letzten Tagen habe ich begonnen, eine weitere Sache aus der Büchse der Pandora meines Traumas zu ziehen: das Mobbing in meiner Kindheit. Ich war mir des Mobbings bewusst, besonders in meinen Teenagerjahren, aber was jetzt hochkommt, ist etwas Neues, und es ist beunruhigend und destabilisierend. Intrusive Bilder kommen zurück, diesmal von Mobbing.

Der Auslöser war mein Plan, zu einem Treffen in der Sierra Norte de Madrid zu fahren, um Freund:innen aus verschiedenen Ländern zu treffen, von denen ich einige seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Ich hatte geplant, gestern zu reisen, aber ich schreibe diese Zeilen zu Hause in Sevilla.

Schon am Vortag hatte ich ein mulmiges Gefühl, weil ich bezweifelte, dass es mir möglich sein würde, am Treffen in der Sierra Norte de Madrid meine Bedürfnisse nach Selbstpflege zu befriedigen. Ich schrieb an die für die Logistik zuständige Person, um zu fragen, ob es möglich sei, ein Zimmer nicht mit Cis-Männern zu teilen, aber seine Antwort war, dass es nur ein Zimmer mit 20 Etagenbetten gebe. Diese neue Information ließ bei mir alle Alarmglocken läuten, und es dauerte nicht lange, bis ich meine Reise absagte.

Trotz der Absage hat sich mein posttraumatischer Stress seither erheblich verstärkt, ich fühle mich sehr verletzlich und instabil. Gestern war ich völlig ausgelaugt und wollte mich nur noch in meinem Bett verkriechen und weinen. Ich bin nicht einmal ins Schwimmbad gegangen, was jetzt zu meiner täglichen Routine gehört. Schon am Vorabend dachte ich an einen Schulausflug im letzten Grundschuljahr (als ich 9 oder 10 Jahre alt war), einen mehrtägigen Ausflug, bei dem ich wahrscheinlich in Etagenbetten untergebracht war. Wie immer habe ich keine Erinnerungen, nur Emotionen, und zwar starke Emotionen.

Gestern Nachmittag habe ich mein inneres Kind malen lassen, und ihre Zeichnungen sagen mir etwas, denke ich:

Dibujo de bullying en una ducha de un vestuario. Mi niñe interior sentade en el suelo debajo de una ducha, y cuatro niños desnudos con erecciones señalando al niñe
Ein Bild meines inneren Kindes über Mobbing in der Dusche eines Umkleideraums.

Ich weiß nicht, ob dieses Bild mit dieser Reise zusammenhängt oder ob es sich um eine typische Umkleidedusche in einer Schulturnhalle handelt. Ich weiß auch nicht, ob es einen Missbrauch gab oder ob eine solche Situation mit nackten Jungen, die mich verbal schikanierten, einfach alle Ängste in dem Kind, das ich war, geweckt hat, da ich selbst sexuell missbraucht wurde.

Heute war ich etwas stabiler, aber mit intrusiven Bildern im Zusammenhang mit dem Mobbing. Mittags ging ich ins Schwimmbad, und sowohl im Schwimmbad als auch in der Sauna hatte ich Momente, in denen ich mit den intrusiven Bildern und dem Weinen zu kämpfen hatte.

Heute am Nachmittag hat mein inneres Kind ein weiteres Bild gemalt:

Dibujo de mi niñe interior sentado en un banco en un vestuario, llorando, y dos niños desnudos señalando al niñe
Bild meines inneren Kindes, 27. Juli 2022

Es ist eine sehr ähnliche Situation, diesmal nicht unter der Dusche, sondern in einem Umkleideraum, der in einem Schwimmbad oder einem Turnsaal sein könnte.

Neben diesen Bildern kommt mir noch ein weiteres in den Sinn: ich als Kind, das sich unter einer Decke in einem Etagenbett (!) versteckt, und um das Etagenbett herum zwei oder drei nackte Jungen/Kinder.

Bis jetzt habe ich keine Ahnung, welcher Teil davon der Realität entspricht. Ich bezweifle nicht, dass es Mobbing gab, obwohl ich keine Erinnerungen an Mobbing in diesen Zusammenhängen habe. Aber ich habe meine Emotionen, und wieder intrusive Bilder. Ich weiß, dass ich bereits in den ersten Jahren des Gymnasiums auf dem Schulhof gemobbt wurde (an die Grundschule habe ich keine Erinnerungen), wobei sich das Mobbing auf verbale Schikanen beschränkte.

Zum Glück habe ich das Gefühl, dass ich mehr Möglichkeiten habe, mit diesem neuen Aufflackern meiner PTBS umzugehen. Ich stürze zwar nicht mehr so oft ab wie noch vor Monaten, aber ich fühle mich heute weniger stabil, sehr verletzlich und habe starke Emotionen. Ich weine auch häufiger, wenn auch nicht mehr so viel und nicht mehr so heftig wie noch vor Monaten.

Ich komme nicht mehr umhin, die Geschichte meines Mobbings aufzuarbeiten, eine Geschichte, die viel früher zu beginnen scheint, als ich dachte. Ich hoffe, dass dies wirklich nichts mehr in meiner Büchse der Pandora hinterlässt.