Zur Navigation

Von Colón nach Villaguay

Heute hatte ich die bisher längste Etappe – ca. 105km von Colón nach Villaguay, auf der Ruta 130 nach Parana. Und es wird wahrscheinlich nicht für lange die längste Etappe bleiben …

Wie üblich fuhr ich früh los – um 7 Uhr argentinischer Zeit (was 8 Uhr uruguayischer Sommerzeit ist). Ich brauchte etwas Zeit, aus Colón raus zukommen, doch legte ich dabei auch schon einiges an Entfernung zurück. Ich nahm den Weg über San Jose, und gelangte dann auf eine Ausfallstraße zur Ruta Nacional 14 und zur Ruta Nacional (RN) 130. Letztere war die, die ich wollte.

Die Straße selbst war gut, doch es gab keinen asphaltierten Seitenstreifen – nur Schotter, Sand, und Gras. Das machte es etwas schwieriger, schnell von der Straße zu kommen – und das musste ich mehrmals (auch wenn die meisten LKW-Fahrer mir genug Platz ließen, solange von vorne kein Gegenverkehr kam). Zur Abwechslung wehte der Wind mal in die richtige Richtung, was mir doch sehr half.

Nach weniger als zwei Stunden kam ich durch Villa Elisa, einem kleinen Dorf mit einem Thermalbad. Letzteres liegt an der RN 130 auf dem Weg raus aus Villa Elisa, und ich hielt in einer parrilla kurz vor dem Thermalbad (ein mir zu luxuriöser Komplex) an, um Kaffee und Mineralwasser zu trinken, und meine Wasserflaschen aufzufüllen. Von hier aus waren es noch 65-70km, und dazwischen gab es nicht viel.

Ich bin in der Provinz „Entre Rios“ - zwischen Flüssen. Und so gab es keine Hügel, und mit Rueckenwind fuhr ich doch recht schnell. Die Landschaft war anders als in Uruguay, und schwer auf einem Foto festzuhalten (schon gar nicht mit einer Handy-Kamera, egal wie gut). Ich konnte sehr weit sehen, und ich konnte am Horizont Autos (LKWs) sehen, die auf der gleichen Straße fuhren – ich habe keine Ahnung, wie viele Kilometer entfernt. Überall gab es so viel offenen Raum – das meiste davon landwirtschaftlich genutzt (zumindest hier), doch konnte ich nicht herausfinden, was hier angebaut wird. Wenig Bäume, noch weniger Häuser, und diese immer sehr weit voneinander entfernt.

Nach weiteren 40km (für die ich nicht mehr als 2 Stunden brauchte) hielt ich an einem der Häuser für eine weitere Pause an – oder korrekter, im Schatten eines Baumes neben dem Tor zum Grundstück. Mittlerweile waren ein paar Wolken aufgetaucht, die ich sehr begrüßte, denn dadurch brannte die Sonne weniger stark. Dennoch bevorzugte ich den Schatten für die Pause. Ich trank einiges an Wasser, aß ein paar Plätzchen, die ich mir von einigen Tagen in Puerto Viejo gekauft hatte – es war noch zu früh für ein richtiges Mittagessen.

 

Die Landschaft erinnerte mich sehr an viele typische Western-Filme, zumindest solange man nicht auf die Straße blickte. Weites, offenes Land, ein paar (altmodische) Windmühlen, und manchmal ein Haus.

Ich machte nicht lange Pause, sondern war schnell wieder auf dem Fahrrad für die letzten 25km nach Villaguay. Dort kam ich so um die 12:30 mittags an, was – die Pausen berücksichtigt – eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h ausmacht, was mit Sicherheit die bisher höchste Durchschnittsgeschwindigkeit ist.

Ich ruhte mich zunächst auf dem zentralen Platz des Ortes etwas aus, und zwei PolizistInnen begannen, sich mit mir zu unterhalten – einer von ihnen länger. Er fragte mich, ob ich bereits Übernachtung hätte, und ich antwortete mit ja (ich hatte mir im Internet etwas gesucht und dann per Handy kontaktiert). Dann fragte ich ihn ob er etwas über Übernachtungsmöglichkeiten zwischen hier und Parana wüsste, und er erwähnte ein Dorf ca. 80km entfernt, wo es eventuell etwas geben könnte, und wo es zumindest eine Tankstelle gibt, und es wäre möglich, bei der Tankstelle oder bei der Polizeiwache zu fragen, ob campen möglich wäre. Bis nach Parana sind es von hier noch 155km – etwas zu viel, insbesondere nach den 105km von heute.

Dann fuhr ich zu meiner Unterkunft, die nicht schwer zu finden war, die aber eher am Rande Villaguays liegt (hier gibt es keine asphaltierte Straße). Doch das Zimmer ist nett, und die Dusche war wirklich gut … Jetzt ruhe ich mich etwas aus, und dann ist es Zeit, die Stadt etwas zu erkunden und Einkaufen zu gehen (ich sollte Essen für 1½ Tage dabei haben, wenn ich morgen aufbreche).

Tags:


Main menu 2

Blog | by Dr. Radut