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Planeta Rica – Sincelejo – Magangué

Am 18. August fuhr ich von Planeta Rica wieder los, mit Ziel Sahagún (72km). Es war ein etwas „kühlerer“ Tag, mit am Anfang leichtem Regen. Mein Plan war bis nach Sahagún, einer kleinen Stadt in Richtung Sincelejo, aber auch auf dem Weg nach Coveñas an der Karibikküste, zu fahren. Mit dem zumindest am Anfang angenehmerem Wetter began der Tag sehr angenehm, und auch die Route war recht einfach.

Kurz bevor ich in Sahagún ankam erhielt ich einen Anruf einer Freundin von Paz Caribe, einer Friedensgruppe die in Sincelejo und der Region arbeitet. Ich kenne ein paar Personen der Gruppe wohl seit 2007, und zwischen 2007 und 2010 war ich mehrmals in Sincelejo. Ich kam kurz nach 11:00 Uhr in Sahagún an und telefonierte mit der Freundin von Paz Caribe. Spontan entschied ich micht noch am gleichen Tag nach Sincelejo weiter zu fahren (weitere 45km). Ich kam schliesslich um 15:00 Uhr in Sincelejo, und fuhr zum Haus von Paz Caribe und der Freundin.

Es war sehr schön, uns nach so vielen Jahren wieder zu sehen, und wir redeten viel am Nachmittag. Weitere Personen der Gruppe gesellten sich am Abend hinzu, und wir redeten noch mehr.

Am nächsten Tag fand ein Workshop zum Friedensprozess in der Region nach der Vereinbarung zwischen der FARC and der kolumbischen Regierung statt. Es war im wesentlichen ein Workshop für Frauen, doch es nahmen auch ein paar Männer teil, und so gab es für mich keine Probleme, den Workshop zu beobachten. Sie stellten einige Aspekte der Vereinbarung vor: Landrechte (nicht sehr zufriedenstellend), Demokratie und BürgerInnenbeteiligung (einige Verbesserungen, doch es fehlt auch einiges), und das Thema der Opfen von 50 Jahren bewaffnetem Konflikt.

Das Thema der Gerechtigkeit nach dem Konflikt ist ziemlich kompliziert. Ein Teil ist eine Wahrheitskomission, ein anderer Teil ein Büro für die Suche von Personen von denen angenommen wird, dass sie verschwunden sind, and dann gibt es eine „spezielle Gerichtsbarkeit für den Frieden“. Ich weiss nicht wirklich, wie die funktioniert, doch es ist ein System ausserhalb des normalen Strafjustizsystems. Und ausserdem, zumindest in der Theorie, beinhaltet all dies auch die Entschädigung der Opfer und Reparationen – einschliesslich von Seiten der FARC.

Auf der einen Seiten gibt es viel Hoffnung, oder – wie eine Frau sagte – die Opfen wollen wieder dem Staat vertrauen können. Es gibt auch viel guten Willen, insbesondere von Seiten der Opfer des Konfliktes, doch ich bin mir nicht sicher ob es ausreichen Geduld gibt.Ich gehe davon aus, dass der Prozess langsam sein wird, doch was die Menschen brauchen sind Verbesserung jetzt, eine Reduzierung der Gewalt jetzt (ja, es gibt eine Reduzierung, aber nicht von Seiten der Paramilitärs – tatsächlich ist die Zahl der Morde von AnführerInnen der FarmerInnen oder MenschenrechtsaktivistInnen in den letzten zwei Jahren angestiegen). Aber es war gut, so viele Menschen zu sehen, die eine friedlichere Welt aufbauen wollen.

Ich denke es ist wichtig anzuerkennen, dass die Friedensvereinbarung nichts an dem Konflikt löst. Korrekter ist es zu sagen, dass sie die Art der Konfliktführung von einem bewaffneten Kampf in andere Arten der Konflikführung transformiert: von institutioneller Politik bis hin zu gesellschaftlicher Mobilisierung. In diesem Sinne macht die Friedensvereinbarung nicht mehr als einen sozialen Raum für die Zivilgesellschaft zu öffnen, und der Workshop war ein Beispiel dafür, wie sich diese Zivilgesellschaft darauf vorbereitet, diesen Raum auch zu nutzen.

 

Am Sonntag, 20. August ergriff ich die Chance eines Lifts im Auto bis nach San Pedro, auf halbem Weg zwischen Sincelejo und Magangué. Das erlaubte mir, nicht so früh aufzubrechen (und meine Gewohnheit zu durchbrechen). Kurz nach 12:00 Uhr kam ich in Magangué an, und nach einem Fruchtsaft suchte ich mir ein Hotel. Es scheint in dem Ort nicht wirklich etwas angemessenes zu geben, und so kann ich keine Hotel empfehlen. Ich brauchte zu lange um mich zu duschen und auszuruhen, und als ich endlich rausging, was fast alles geschlossen (Sonntags um 14:30 Uhr). Ich fand ein Restaurant nahebei um etwas zu Essen, doch die Strassen waren fast ausgestorben, und so fühlte ich mich auch nicht unbeding ganz sicher.

Ich ging zurück zum Hotel und nutzte meine Zeit um zu schreiben, und um einige Blogeinträge ins Deutsche zu übersetzen...



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Blog | by Dr. Radut