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El Banco – Barrancabermeja – Puerto Araujo

Zum Glück brauchte ich von El Banco nicht so früh aufzubrechen, denn das Boot fuhr um 8:00 Uhr morgens los. Trotzdem stand ich um 6:00 Uhr auf um Zeit für ein Frühstück zu haben. Leider öffnete die Bäckerei, die ich am Vortag entdeckt hatte, nicht (auch wenn sie mir am Vortag gesagt hatten sie würden um 6:00 Uhr öffnen). Pech gehabt. Ich trank einen Kaffee an einem Straßenstand und kaufte mir auch etwas zu Essen, und wartete auf mein Boot.

Das Boot – vom gleichen Typ wie bei der Flussübersetzung von Magangué nach Bodega – fuhr letztlich um 8:30 Uhr los. Zum Glück fahren die „Langstrecken“-Boote nicht erst los, wenn sie voll sind. Tatsächlich waren weniger als die Hälfte der Sitze besetzt als wir los fuhren. Diese Boote sind recht schnell, und zum Glück war der Fluss recht ruhig, mit wenig Wellengang.

Die Bootsfahrt war wunderschön, auch wenn sie am Ende etwas lang wurde (7 Stunden). Der Fluss ist ziemlich breit, und teilweise mit mehreren Flussarmen. Auf beiden Seiten gibt es recht wenig: ab und an ein kleines Dorf, und der Rest ist Natur (nun ja – nicht ganz. Das Land wird für Landwirtschaft genutzt. Das sieht man Kühe grasen, und es gibt Bananen und andere Sachen). Ab und an trafen wir ein anderes Boot, und ab und an legte das Boot in einem kleinen Dorf an.

Was man allerdings nicht viel sieht ist, dass diese Region auf Ölregion ist, mit Barrancabermeja als „Ölhauptstadt“ Kolumbiens. In der Stadt Barrancabermeja selbst ist die Wichtigkeit des Erdöls dann aber offensichtlich. Kurz vor der Ankunft in Barrancabermeja sieht man erst einmal die größte Ölraffinerie des Landes. Kurz vorher musste das Boot an einem Kontrollpunkt des Militärs anlegen, doch viel kontrollierten die nicht (ich stelle mir vor dass das vor wenigen Jahren noch anders war). Wir kamen am Flussterminal der Stadt um 15:30 Uhr an, und ich fuhr mit dem Fahrrad zum Haus des Christian Peacemaker Team (CPT), wo ich unterkam.

Zwischen 2007 und 2012 war ich mehrere Male in Barrancabermeja, um mit der antimilitaristischen Gruppe Quinto Mandamiento zu arbeiten. Die Stadt – und die gesamte Region Magdalena Medio – hat eine jüngere Geschichte voll von Gewalt. Seit einem Massaker im Mai 1998 ist die Stadt selbst unter der Kontrolle paramilitärischer Gruppen, doch es gab immer eine Präsenz der Guerrilla – sowohl der FARC (jetzt demobilisiert nach einer Vereinbarung mit der Regierung) als auch der ELN (verhandelt derzeit mit der Regierung). Ein Artikel, der letzten Jahr im BBC World Service (spanisch) veröffentlicht wurde, vor der Vereinbarung zwischen der FARC und der Regierung, gibt einen Einblick in der Realität: http://www.bbc.com/mundo/noticias/2016/03/160304_colombia_barrancabermeja_conflicto_reduccion_nc.

Auch wenn es so aussieht als wenn es auch in Barrancabermeja eine Reduzierung der Gewalt gibt, so geht die Politik der Morddrohungen (und der Ermordungen von AnführerInnen der LandarbeiterInnen, schwul-lesbischen/trans Gruppen, Gewerkschaften oder MenschenrechtsaktivistInnen) doch weiter. Es überrascht nicht, dass Ziel jetzt die Gemeinschaften sind, die sich gegen Fracking in der Region wehren: mit einer abnehmenden Ölproduktion fördern die Autoritäten jetzt das Fracking um mehr Oel zu extrahieren, und die Opposition der ländlichen Gemeinschaften ist ein Hindernis:

It doesn’t surprise that the targets are now communities that are opposed to fracking in the region: https://cordatec.blogspot.com.co/2017/08/persisten-las-amenazas-integrantes-de.html?m=1 (auf Spanisch).

In Barrancabermeja verbrachte ich auch einige Zeit mit einem guten Freund (ebenfalls Aktivist von Quinto Mandamiento). Wir unterhielten uns über viele Sachen … An meinem letzten Abend in der Stadt trafen wir uns im Haus von Pax Christi mit weiteren AktivistInnen und redeten über diverse Dinge, und wir tranken auch ein paar Biere ...

Nach einem Ruhetag in Barrancabermeja begann ich den letzten Abschnitt Richtung Bogota am Samstag, 26. August. Ich verließ die Stadt um 6:00 Uhr morgens um die schlimmste Hitze zu vermeiden, doch mit wenig Erfolg. Am Anfang meiner Route war die Ölindustrie doch sehr präsent, mit vielen Ölbrunnen nahe der Straße. Nach 30km erreichte ich die Panamericana oder Ruta del Sol, auf der ich weitere 55km zurück legte bis nach Puerto Araujo, meinem Tagesziel. Ab 9:00 Uhr wurde die Hitze ziemlich anstrengend und ich musste zweimal anhalten um mich auszuruhen, meine Wasserflaschen aufzufüllen und ein paar Limonaden zu trinken.

Puerto Araujo scheint nicht viel mehr als ein paar Hotels und Restaurants, eine Polizeiwache und ein kleines Dorf zu sein (zumindest von dem, was ich gesehen hab). Es gibt dort nichts zu tun, und das vegetarische Essen …. nun ja, es war etwas zu Essen ...



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Blog | by Dr. Radut